Lichter flackern, Musik wummert, 35.000 Fans stehen – mitten im NBA All-Star Weekend 2024. Doch diesmal ist nicht nur das Spiel außergewöhnlich, sondern auch der Boden unter den Füßen der Stars. Der Glasboden leuchtet, reagiert, pulsiert mit jeder Bewegung. Animationen fließen über die Fläche, Statistiken erscheinen live, eine Countdown bricht visuell aus dem Untergrund hervor. Was aussieht wie Science-Fiction, ist Realität – entwickelt in einem bayerischen Familienunternehmen mit Wurzeln im Squashsport. ASB GlassFloor hat den Sportboden neu erfunden: Aus Sicherheitsglas und LED-Technologie entsteht ein Untergrund, der nicht nur alle Anforderungen des Profisports erfüllt, sondern auch Bühne, Spielfeld und digitale Erlebniswelt zugleich ist.
Vom Baustoff zum Spielfeld – wie Glas den Sportboden neu definiert

ASB Glass Floor beim FIBA U19 Women’s World Cup in Madrid, Bild: FIBA Media
Es war ein Messebesuch, der alles veränderte. Horst Babinsky, Gründer von ASB, beobachtete, wie jemand über eine scheinbar fragile Glasplatte ging – fünf Meter lang, die sich sanft unter dem Gewicht durchbog. Was zunächst wie ein technisches Kuriosum wirkte, ließ ihn nicht mehr los. Warum sollten Glasflächen nur an Wänden verbaut werden? Was, wenn man darauf Sport treiben könnte? Diese Frage war der Startpunkt für eine Entwicklung, die heute Sporthallen, Eventarenen und Fernsehstudios weltweit verändert: der ASB GlassFloor. Im Interview gibt das ASB GlassFloor Team mit Christof Babinsky (CEO), Martin Egner (CRO) und Philipp Landgraf, Marketing und Content Manager bei ASB GlassFloor, Einblicke in die Anfänge, technische Herausforderungen und die Vision eines Bodens, der weit mehr kann als nur Belastung aushalten.
Wie ist die Idee entstanden, Glas als Sportboden einzusetzen?
Um die Entstehung der Idee zu erklären, müssen wir kurz ausholen: Unser Unternehmen wurde 1965 gegründet und hat in den ersten Jahren eine Vielzahl anspruchsvoller Bauprojekte in Modulbauweise realisiert – von Kindergärten und Schulen über Bürogebäude bis hin zu Forschungsinstituten. Ab Mitte der 70er-Jahre haben wir uns auf Basis dieser Erfahrungen auf den Bau von Squashcourts und -anlagen fokussiert und wurden innerhalb eines Jahrzehnts in diesem Bereich Weltmarktführer. Glas spielte schon damals – zumindest bei der Konstruktion der Wände der Courts – eine zentrale Rolle.
Im Jahr 2006 sah Horst Babinsky (Gründer des Unternehmens), bei einer Messe zum Thema Glas wie jemand über eine eingespannte Scheibe lief und diese sich über 30cm auf 5m Länge durchbog. Wir testeten erstmals einen Glasboden. Wenn schon alle vier Wände aus Glas gebaut werden können, warum dann nicht auch der Boden – und das Konzept funktionierte. Aus dieser Idee entstand der ASB GlassFloor nicht nur für den Squash-Markt. Wir entdeckten schnell das die Eigenschaften und Möglichkeiten, die sich mit dem neuen Produkt ergeben in die Sporthalle gehören.
Was unterscheidet ASB GlassFloor grundlegend von klassischen Sport- und Eventbodenherstellern?
Der entscheidende Unterschied liegt in der Kombination aus kompromissloser Leistungsfähigkeit für den professionellen und Breitensport sowie der Flexibilität und Eventfähigkeit des GlassFloors. Unsere Böden erfüllen höchste Standards und sind u.a. FIBA Competition-Level 1 zertifiziert, was bedeutet, dass darauf Basketball-Weltmeisterschaften ausgetragen werden dürfen. Zudem verfügen sie über FIVB-, IHF- und weitere internationale Zertifizierungen und werden regulär in der Basketball-Bundesliga, Basketball EuroLeague sowie in der griechischen Basketball-Liga eingesetzt.
Damit heben wir uns auch deutlich von klassischen Eventbodenherstellern ab: Während viele Böden vor allem für Shows und temporäre Events konzipiert sind, ermöglichen unsere Glas-LED-Böden professionellen Sportbetrieb auf höchstem Niveau. Kurz gesagt: Wir vereinen die Welten von Sport und Event in einem weltweit einzigartigen multifunktionalen Boden.
Welche technischen Herausforderungen mussten Sie bei der Entwicklung des LED-Glasbodens lösen?
Die Entwicklung des ASB GlassFloor brachte einige Herausforderungen mit sich, insbesondere im Hinblick auf die sportliche Eignung und Sicherheit der Atlethen. Durch die Kombination aus Sicherheitsglas, welches in seinen Eigenschaften übrigens elastischer als Holz ist, und unserer Stahl-/Aluminium-Unterkonstruktion erzielen wir eine optimale Dämpfung. Der Ball springt wie gewohnt, während die Oberfläche die Gelenke der Spieler schont. Die eingebrannten Keramikpunkte auf der Glasoberfläche sorgen zusätzlich für sicheren Grip, sodass Spieler weder ausrutschen noch abrupt gestoppt werden – Verletzungsrisiken werden auch so weiter minimiert. Ein zusätzlicher Effekt ist dabei, dass bei Stürzen deutlich weniger Brandwunden, wie jeder sie aus dem Schulsport kennt, entstehen.
Auch die Umsetzung der Linienführung und Sichtbarkeit stellte eine Herausforderung dar. Die Kombination aus Glas und LEDs erzeugt eine Rückprojektion, bei der einzelne Pixel ineinander verschwimmen und die Linien für die Spieler ein scharfes, klares Bild ergeben. Die tiefengeätzte, matte Glasoberfläche verhindert dabei störende Spiegelungen.
Wie funktioniert das Zusammenspiel von Glasboden und der Softwareplattform GlassCourt OS?
GlassCourt OS ist unser eigens entwickeltes, proprietäres Betriebssystem für die Steuerung des Glasbodens und beinhaltet eine Art „App Store“ für verschiedene Applikationen von Fitness Apps über interaktive Games bis hin zu professionellen Coaching Applikationen. Über GlassCourt OS lässt sich der Boden intuitiv per iPad bedienen und erlaubt Änderungen an Court-Designs sowie das Einspielen hochwertiger Animationen in Sekundenbruchteilen.
Darüber hinaus können externe Technologien integriert werden: Trackingsysteme ermöglichen die interaktive Nutzung des Bodens, zudem lassen sich Videowürfel und LED-Banden in Arenen per Mediaserver-Integration synchronisieren. Mit GlassCourt OS wird der ASB GlassFloor als digitale und interaktive Leinwand zum Leben erweckt – die Möglichkeiten sind praktisch unbegrenzt und reichen weit über die genannten Beispiele hinaus.
Welche Sicherheits- und Qualitätsstandards erfüllen Ihre Böden – gerade im Livebetrieb bei Events?
Unsere Glasböden erfüllen sämtliche relevanten Sportnormen und Brandschutzbestimmungen und sind so konzipiert, dass sie auch im Profisport unter extremen Bedingungen zuverlässig performen. Im Livebetrieb sorgen Backup-Systeme dafür, Störungen zuverlässig auszuschließen. Zudem wird die Boden- und Umgebungstemperatur permanent überwacht, sodass optimale Betriebsbedingungen gewährleistet sind.
So haben der FC Bayern Basketball sowie Panathinaikos BC bereits jeweils eine gesamte Saison auf Glas gespielt, ohne dass es zu nennenswerten Ausfällen kam.
Wie flexibel sind Ihre Glasböden hinsichtlich Format, Bespielung und Interaktion?
Unsere großformatigen Glasböden sind multifunktional und die Möglichkeiten sind praktisch unbegrenzt: In Zusammenspiel mit Trackingsystemen können Spieler oder Fans gegen virtuelle Gegner antreten, digitale Spuren hinterlassen oder virtuelle Bälle über den Boden schießen. Auch die Anpassung von Format, Layout und Court-Design an das jeweilige Event oder die Location sind problemlos möglich und unterstützen eine einzigartige Fan Experience.
Welche konkreten Veranstaltungsformate setzen Ihre Technik aktuell ein?
Unser Kerngeschäft liegt im Indoor-Profisport, insbesondere Basketball, gleichzeitig wird unser Glasboden auch für medienwirksame Events und Shows genutzt. So kamen unsere Böden z.B. beim NBA All-Star 2024 und beim Big Blue Madness 2024 in den USA zum Einsatz. In Deutschland ist der Boden seit Staffel 1 bei Joko und Klaas gegen Pro7 als elementarer Teil der Show präsent.
Fest verbaut sind unsere Böden aktuell bei den Profi-Klubs FC Bayern Basketball (im BMW Park München) sowie in der OAKA Arena von Panathinaikos BC Athen. Darüber hinaus eröffnet der Boden auch in neuartigen Event-Kontexten eine Vielzahl neuer Möglichkeiten, wie u.a. bei „Beats N Buckets“, Deutschlands erstem Basketball-Culture-Event, ausgetragen im Juli diesen Jahres im BMW Park in München, bei der DAZN Infinity League oder auch bei Events wie dem Silvester Schlagerboom 2024 mit Florian Silbereisen.
Wir sind sehr stolz auf diese Referenzen, die die Vielfältigkeit und Flexibilität unseres GlassFloors an der Schnittstelle von Sport, Entertainment und interaktiven Erlebnissen unterstreichen.
Können Ihre Böden auch in anderen Branchen bzw. bei anderen Events eingesetzt werden?
Unser Fokus liegt an erster Stelle auf Sport, gleichzeitig spiegeln unsere drei zentralen Unternehmenssäulen – Multifunktionalität, Kompromisslosigkeit und Innovation – aber auch die vielseitigen Einsatzmöglichkeiten unserer Produkte wider.
Unsere Böden kommen auch bei Konzerten, TV-Shows, in TV-Studios oder besonderen Eventformaten zum Einsatz und bieten neue kreative Möglichkeiten.
Darüber hinaus entstehen spannende Anwendungen im Bereich Architektur, etwa in smarten Office- und Work-Spaces, wo wir mit unseren Glass-LED-Wänden (DigitalWallpaper) und interaktiven Technologien Räume flexibel nutzbar und immersiv erlebbar machen. So zeigt sich, dass unsere Technologie über den Sport hinaus einsetzbar ist, ohne dass die hohen Ansprüche an Qualität, Sicherheit und Interaktivität beeinträchtigt werden.
Wie wird der Glasboden für Branding oder Sponsorings integriert?

ASB Glass Floor im Einsatz in Madrid bei der FIBA U19, Bild: FIBA Media
Aufgrund der Interaktivität und Voll-LED-Technologie können unsere Glasboden Marken und Sponsoren ganz anders in Szene gesetzt werden. So tragen wir als ASB einen essenziellen Teil zur erweiterten Kommerzialisierung und Entwicklung neuer Sponsoring- und Eventeinnahmen bei. Die Markeneinbindung wird durch Animationen, stechend scharfe Bilder und die Interaktion mit dem, was auf der Fläche passiert, nicht nur sichtbarer, sondern selbst zum Entertainment-Faktor für Zuschauer und Fans. Gleichzeitig kreieren wir mit dem Boden völlig neues Werbeinventar – und das ohne klassische Sticker auf der Spielfläche, die bislang auch ein zusätzliches Verletzungsrisiko für Athletinnen und Athleten bedeuteten.
Ein gutes Beispiel dafür war der FIBA U19 Women’s World Cup in Madrid: Dort ließ Tissot während der Halbzeit ein Uhrenmodell scheinbar aus dem Boden durchbrechen – eine Animation, die aufgrund ihrer Dreidimensionalität die Zuschauer besonders beeindruckte und sofort zum Social-Media-Moment wurde. Auch beim Beats N Buckets Event konnten Sponsoren dank des Bodens ganz anders angesprochen und für das zum ersten Mal veranstaltete Event gewonnen werden. Samsung nutzte den Boden für eine Inszenierung, bei der eine Smart Watch erst im Videowürfel erschien, dann „herausfiel“ und unseren ASB GlassFloor visuell zertrümmerte, bevor dieser sich wieder selbst zusammensetzte. Solche Animationen und Storylines laden Marken emotional auf und sorgen dafür, dass sie im Gedächtnis bleiben.
Welche kreativen Show- oder Livekonzepte haben Sie bisher besonders beeindruckt?
Natürlich beobachten wir den Markt und sehen uns an wie andere Firmen global Events umsetzen und LED-Technologie kreativ nutzen. Nicht jeder Trend ist für uns interessant. Momentan scheint die Welt auf kinetische LED-Wände abzufahren, wir fragen eher warum?
Für uns ist alles interessant was sehr guten Content hat wie die ein oder andere Show in der Vegas Sphere oder gute und intelligente Integrationen von anderen Systemen oder anderer Hardware, diese findet unser CEO gerne privat bei irgendwelchen Ausstellungen in London.
Wie aufwendig ist der Auf- und Abbau vor Ort – z. B. in Multifunktionsarenen oder temporären Setups?

Animation auf dem ASB Glass Floor beim FIBA U19 Women’s World Cup in Madrid, Bild: FIBA Media
Der Aufwand hängt von der Größe und Anforderung der Fläche ab. Für eine permanente Installation wie im BMW Park benötigen unsere Installationsteams etwa zwei bis vier Wochen. Für temporäre Setups ist der Auf- und Abbau mit der neuen Generation LumiFlex S innerhalb je eines Tages möglich und schafft damit die entscheidende Voraussetzung, den Boden in hochfrequentierten Arenen und Venues den Boden im regelmäßigen Einsatz zu haben.
Können Sie uns ein aktuelles Highlight-Projekt oder eine besondere Anwendung aus dem Eventbereich nennen?
Ein echtes Highlight war unser Einsatz beim NBA All-Star Weekend 2024 in Indianapolis. Dank unseres Bodens wurden die Side-Events vor über 35.000 Live- und Millionen TV-Zuschauer zu einem interaktiven Spektakel, bei dem Spielinhalte, Animationen und Effekte miteinander verschmolzen. Gerade in den USA, wo Sport und Entertainment traditionell eng miteinander verbunden sind, wurde deutlich, welches Potenzial der GlassFloor für Show-Inszenierungen, interaktive Erlebnisse und ein völlig neues Zuschauererlebnis bietet.
Welche Weiterentwicklungen planen Sie für in den kommenden Jahren?
Auf technischer Seite arbeiten wir intensiv an immer mobileren und modulareren Varianten der Hardware. Die Weiterentwicklung und Verzahnung der Mediaserverinfrastruktur, sowie Integrationen wie Tracking, Zeitnahme und andere Drittsystem spielen zudem eine große Rolle.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Software. Mittlerweile haben wir ein 15-köpfiges Entwicklerteam, das kontinuierlich neue Use Cases und Anwendungen entwickelt. Einen großen Umfang nehmen dabei die Bereiche Bildung, Entertainment, Hospitality und Gaming ein.
Welche Rolle sehen Sie für LED-Böden im Gesamtkontext immersiver Eventtechnologien?
In der zunehmend digitalen Welt eröffnen LED-Böden neue Möglichkeiten: Sie erweitern die Bühne in den Raum hinein und verwandeln Arenen, Spielstätten oder Eventflächen in multifunktionale Erlebnisräume. Spieler, Musiker, E-Sportler oder andere Performer können die Fläche live nutzen, Inhalte reagieren dynamisch auf Aktionen und ermöglichen immersive Erlebnisse. So lassen sich Veranstaltungen flexibel zwischen Sport, Entertainment oder Education gestalten – ohne dass die hohen Ansprüche an Sicherheit und Performance beeinträchtigt werden. Interaktive Flächen wie diese werden in Zukunft aus Sport- und Entertainmentbereichen nicht mehr wegzudenken sein – und ASB GlassFloor hat es sich zum Ziel gesetzt, diese Entwicklung nachhaltig zu prägen und insbesondere die Welt des professionellen Indoor-Sports sowie des nachhaltigen Betriebs von Arenen positiv zu verändern.
Beitragsbild: Christina Pahnke, sampics










