Am 11. Juli 1240 stellte Kaiser Friedrich II. der Stadt Frankfurt das Messe-Privileg aus und legte damit den Grundstein für ein reges Messegeschehen in der Stadt. Dieser Tag gilt als die Geburtsstunde der Messe Frankfurt. Kaufleute erhielten damit das Recht auf Geleitschutz und eine sichere rechtliche Grundlage für ihre Geschäfte. Nur wenige Jahrzehnte später, um 1330, folgte die Genehmigung einer Frühjahrsmesse. Damit etablierte sich das bis heute bestehende Prinzip zweier großer Messen im Jahr, die Frankfurt zu einem zentralen Umschlagplatz des europäischen Handels machten.
Vom mittelalterlichen Markt zur internationalen Handelsplattform
Die ersten Herbst- und Frühjahrsmessen waren geprägt vom Tausch von Waren und Rohstoffen. Händler aus Italien, Frankreich, den Niederlanden und weiten Teilen des Heiligen Römischen Reiches kamen nach Frankfurt. Besonders im Spätmittelalter verdrängte Frankfurt andere traditionsreiche Messestandorte, etwa die Champagne, und entwickelte sich zu einem führenden Handelsplatz für Luxusgüter, Bücher, Kunsthandwerk und Textilien.
Diese frühe Internationalität legte den Grundstein für die heutige Rolle der Messe Frankfurt. Mit ihrer günstigen Lage im Herzen Europas, am Main gelegen und später über die Eisenbahn perfekt angebunden, war die Stadt prädestiniert für den Waren- und Ideenaustausch.
Krisen, Rückschläge und Neuanfänge

Menschen auf dem Außengelände der Messe Frankfurt mit Messeturm.
Die Geschichte der Messe Frankfurt ist auch eine Geschichte der Krisen. Schon 1635 fiel die Frühjahrsmesse dem Dreißigjährigen Krieg und einer schweren Pestwelle zum Opfer. Immer wieder führten Konflikte und Epidemien zu Unterbrechungen.
Besonders hart traf die Messe das 20. Jahrhundert. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Messegelände zu rund 95 Prozent zerstört. Gebäude wie die 1909 eröffnete Festhalle – damals ein architektonisches Meisterwerk mit Platz für 18.000 Menschen – überstanden die Bombardierungen nur schwer beschädigt. Nach 1945 begann der mühsame Wiederaufbau, und bereits 1949 konnte die Frankfurter Buchmesse wieder stattfinden. Sie entwickelte sich in den Folgejahren zur weltweit bedeutendsten Plattform für die Verlagsbranche und symbolisierte den Neuanfang in der Nachkriegszeit.
Die Messe als Impulsgeber der Stadt
„Die Messe ist Impulsgeber für die Entwicklung unserer Stadt. Nirgends sind Messe- und Stadtgeschichte so eng miteinander verbunden wie in Frankfurt“, betonte Frankfurts ehemaliger Oberbürgermeister Peter Feldmann anlässlich eines Messejubiläums. Tatsächlich hat das Messewesen die Entwicklung Frankfurts zur internationalen Metropole entscheidend geprägt.
Die Architektur des Messegeländes spiegelt den Wandel wider: vom historischen Festhallenbau über das Torhaus in den 1980er Jahren bis hin zu den jüngsten Erweiterungen mit Halle 12 und dem Kongresszentrum Kap Europa. Mitten im Europaviertel entstand in den vergangenen Jahrzehnten ein modernes, funktionales und architektonisch markantes Messeareal.
Vielfalt an Veranstaltungen
Heute ist die Messe Frankfurt nicht mehr der mittelalterliche Marktplatz von damals, sondern eine der wichtigsten Drehscheiben des internationalen Handelsgeschehens. Traditionelle Veranstaltungen wie die Frankfurter Buchmesse, die Heimtextil, die Automechanika oder die Light + Building haben am Standort eine lange Geschichte. Auch die Prolight + Sound, Europe’s Home of Event Technology, zieht Jahr für Jahr internationale Besucherinnen und Besucher an.
Darüber hinaus bietet das Gelände Raum für Großevents, Konzerte und Shows. Künstler von Weltrang treten in der Festhalle auf, während parallel Fachmessen den Takt der internationalen Wirtschaft vorgeben. Diese Vielfalt macht die Messe Frankfurt einzigartig: Sie ist gleichzeitig Wirtschafts-, Kultur- und Begegnungszentrum.
Die Zäsur durch Corona
Das Jahr 2020 markierte eine tiefe Zäsur. Die Corona-Pandemie zwang die Messe Frankfurt, fast alle Veranstaltungen abzusagen oder zu verschieben – darunter auch die traditionsreiche Prolight + Sound. Stattdessen wurde das Gelände für andere Zwecke genutzt: In Halle 11 fanden Klausuren der Frankfurt University statt, und die Festhalle diente als Impfzentrum.
„Die Messelandschaft wird sich im Zuge der Corona-Krise verändern. Themen wie Digitalisierung und Sicherheit werden dabei eine zentrale Rolle spielen. Der größte Erfolgsfaktor bleibt jedoch die persönliche Begegnung“, sagte Wolfgang Marzin, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe Frankfurt. Seine Worte verdeutlichen die Herausforderung, die Messe als Ort realer Begegnungen in einer zunehmend digitalen Welt neu zu definieren.
Digitalisierung und neue Formate

Eröffnung Halle 12 der Messe Frankfurt
Die Messegesellschaft hat in den letzten Jahren stark in digitale Plattformen investiert. Hybride Veranstaltungen, Livestreams und digitale Networking-Tools ergänzen die physischen Formate. Damit reagiert die Messe auf die gestiegenen Erwartungen internationaler Aussteller und Besucherinnen, die auch abseits von Präsenzveranstaltungen miteinander in Kontakt treten wollen.
Zugleich zeigt sich, dass die persönliche Begegnung unersetzlich bleibt. Der direkte Austausch, das Ausprobieren von Produkten und die emotionale Wirkung von Live-Events sind durch keine Videokonferenz vollständig ersetzbar. Die Zukunft der Messe liegt daher in der Verbindung von physischem Erlebnis und digitaler Reichweite.
Nachhaltigkeit als Leitmotiv
Neben Digitalisierung ist Nachhaltigkeit ein zentraler Schwerpunkt. Die Messe Frankfurt verfolgt ambitionierte Klimaziele, setzt auf energieeffiziente Gebäude, Abfallvermeidung und nachhaltige Catering-Konzepte. Auch bei den Veranstaltungen selbst gewinnt das Thema „Green Events“ zunehmend an Bedeutung. Besucherinnen und Besucher, Aussteller und Veranstalter achten heute stärker auf ökologische Standards, wodurch die Messegesellschaft neue Konzepte und Services entwickelt hat.
Wirtschaftliche Bedeutung
Die Messe Frankfurt ist heute eine der größten Messegesellschaften weltweit. Eigentümer sind zu 60 Prozent die Stadt Frankfurt und zu 40 Prozent das Land Hessen. Mit über 2.500 Mitarbeitenden erwirtschaftet sie Jahr für Jahr Milliarden an Kaufkraft für die Region. Laut Studien sichert die Messe Frankfurt direkt und indirekt mehr als 30.000 Arbeitsplätze in Deutschland – vom Messebau über Hotellerie bis hin zur Gastronomie.
Ihre internationale Ausrichtung ist ein weiterer Erfolgsfaktor. Tochtergesellschaften und Partnerveranstaltungen in Asien, Nordamerika und dem Nahen Osten sorgen dafür, dass die Marke „Messe Frankfurt“ global präsent ist. Damit stärkt sie nicht nur den Wirtschaftsstandort Frankfurt, sondern auch die internationale Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen.
Blick in die Zukunft
Nach fast 800 Jahren wechselvoller Geschichte hat die Messe Frankfurt gezeigt, dass sie Krisen überstehen und sich immer wieder neu erfinden kann. Ob Pest, Kriege, Zerstörung oder die Pandemie – stets gelang es, aus Rückschlägen neue Kraft zu schöpfen.
Die nächsten Jahre werden von drei Themen geprägt sein:
- Digitale Transformation mit hybriden Formaten.
- Nachhaltigkeit, um den ökologischen Fußabdruck zu verringern.
- Internationalisierung, um die globale Reichweite weiter auszubauen.
Gleichzeitig bleibt der Kern unverändert: die persönliche Begegnung. Menschen wollen sich austauschen, Produkte erleben und Ideen entwickeln – und genau dafür schafft die Messe Frankfurt seit 1240 die Plattform.
Von den mittelalterlichen Märkten bis zur modernen Messegesellschaft hat die Messe Frankfurt eine einzigartige Entwicklung durchlaufen. Sie ist ein Symbol für Wandel, Resilienz und Innovationskraft. Ob Buchmesse, Prolight + Sound oder internationale Leitveranstaltungen aus den Bereichen Industrie, Konsumgüter oder Kultur – die Messe Frankfurt bleibt einer der wichtigsten Treffpunkte für Wirtschaft und Gesellschaft weltweit.






