Rocketchris: Moment schaffen, Moment transportieren

"Ich bin ein großer Fan von Peter Gabriel" - Opus Award-Gewinner Christian "Rocketchris" Glatthor würde gerne einmal mit Peter Gabriel an einem Buch mitschreiben, denn Gabriels Konzerte seien wie Bücher. Im Interview verrät der Lichtdesigner mehr über das Bühnenbild von Rea Garvey und über Synergien zu seiner Tätigkeit als Tourneefotograf.

1. Sie haben bereits Bühnenbilder für diverse Künstler gestaltet. Die Jury des Opus Awards hat Ihre Kreation für Rea Garvey ausgezeichnet und als „Arbeit eines klassischen Theater-Bühnenbildners“ bezeichnet. Was ist für Sie das Besondere an diesem Bühnenbild?

Rea Garvey Dortmund 2 Rocketchris Photography

Opus Award Gewinner: Das Bühnenbild von Rea Garvey © Rocketchris Photography

Die Wandelbarkeit und die dreidimensionale Wirkung, die nicht direkt auf den ersten Blick erklärbar sind. Und die Selbstverständlichkeit, dass so ein einfaches Mittel wie eine Schnur zunächst ganz klar als Laser gesehen wird, da heutzutage beim designen Räume fast ausschließlich mit Licht und Video gestaltet werden. Stattdessen ist mein Design haptisch greifbar.

2. Welche Herausforderungen gab es bei der Entwicklung des Bühnenbildes?

Der größte Punkt war die Flexibilität des Designs. Rea hatte den Wunsch, bei jedem Konzert - egal ob auf einer riesigen Open-Air-Bühne wie bei den Hessentagen (mehr als 40.000 Zuschauer) oder bei einem kleinen Konzert in der Innenstadt in Meersburg (4.000) - jeden Besucher in die gleiche Geschichte eintauchen zu lassen, mit allem Drum und Dran. Also musste etwas geschaffen werden, das auf Bühnen mit mehr als 160 Quadratmetern Fläche groß wirkt und nicht verloren aussieht, aber auch auf weitaus kleineren Trailerbühnen funktioniert.

3. Sie sind mit vielen unterschiedlichen Musikern unterwegs. Wie gestaltet sich die Arbeit mit so unterschiedlichen Charakteren?

Individuell, um es kurz zu fassen. Etwas ausführlicher kann man sagen, dass es immer sehr spannend ist, was dabei rauskommt und wie weit sich die Musiker darin wiederfinden. Ich versuche den Künstler immer sehr bewusst in diesen Prozess zu integrieren, was bei jedem Charakter immer wieder andere Arbeitsweisen und viel Menschenkenntnis erfordert.

Max Giesinger 2 Dortmund FZW Rocketchris Photography

Max Giesinger in Dortmund © Rocketchris Photography

4. Für welchen Künstler würden Sie gern mal ein Licht- bzw. Bühnendesign entwickeln?

Ich bin ein großer Fan von Peter Gabriel. Nicht im Sinne eines klassischen Fans, sondern von ihm als Mensch, seiner Liebe zum Detail und dieser Leichtigkeit. Wie er es immer wieder schafft, Menschen auch mit einfachen Dingen in seinen Bann zu ziehen. Ihnen wahrlich beim Konzert ein Buch vorliest. Da würde ich gerne mal ein Buch mitschreiben dürfen.

Und ich habe große Lust, mal im elektronischen Bereich (zum Beispiel mit Faithless) als Designer tätig zu werden, da dort meine ersten Erfahrungen herkommen und mich die Musikrichtung immer noch begleitet.

5. Sie sind mittlerweile häufiger auch als Tourneefotograf unterwegs. Welche Synergien gibt es zwischen Ihrer Arbeit als Lichtdesigner und als Fotograf?

Das eine, das Design erstellen bedeutet für mich, Momente zu schaffen, die Fotografie ist für mich eine Möglichkeit, einen Moment zu transportieren. Ich bin kein gelernter Fotograf. Die Technik habe ich mir selbst beigebracht. Das Auge und das Gefühl für Momente als Lichtdesigner geben mir einen etwas anderen Blick auf diese Momente. Mir ist es nicht wichtig, das Foto vom Star zu machen, sondern das Ganze künstlerisch zu sehen. Beides, das Lichtdesign und die Fotografie sind kreative Arbeiten, die miteinander harmonieren.

6. In Bezug auf die Prolight + Sound als Fachmesse für Veranstaltungstechnik: Welchen Stellenwert hat die Messe für Sie?

Ich darf in diesem Jahr zum zweiten Mal mit einer Fotoausstellung beim Musik Media Verlag (Halle 4/Foyer) ein Teil dieser Messe sein und hoffe, auch in den nächsten Jahren dort weiter meine kreative Arbeit als Konzertfotograf präsentieren zu dürfen. Als Lichtdesigner kann man sich dort sehr gebündelt Neuigkeiten anschauen und auch konstruktive Kritiken mal Face to Face an die Hersteller und Vertriebe geben, was ich sehr wichtig finde. Man trifft viele Leute dort aus der Branche und kann in einer sehr entspannten Atmosphäre viele Gespräche führen, welche auch wieder neue Möglichkeiten ergeben, um sich weiterzuentwickeln.

Quelle der Fotos: © Rocketchris Photography

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