EU-Projekt: Europäische Meisterausbildung der Veranstaltungstechnik

Viele Großveranstaltungen sind häufig länderübergreifend oder finden in unterschiedlichen Ländern statt. Diese grenzüberschreitenden Events erfordern den international flexiblen und rechtlich konformen Einsatz der Fachkräfte, vor allem hinsichtlich sicherheitsrelevanter Bereiche. Dies stellt die Branche vor große Herausforderungen, da Fachpersonal je nach Land nach unterschiedlichen Standards geschult wird. Das Projekt ECVAET 3 - Die Europäische Meisterausbildung in der Veranstaltungstechnik - hat sich zum Ziel gesetzt, die Qualifizierung von Fachpersonal in Europa zu vereinheitlichen.

Ralf Stroetmann: "Basis der Meisterausbildung ist später in allen EU-Ländern gleich"

Ralf Stroetmann Verband für Medien- und Veranstaltungstechnik

Ralf Stroetmann, Verband für Medien- und Veranstaltungstechnik e. V.

Der Verband für Medien- und Veranstaltungstechnik e. V. ist langjähriger als Projektpartner und zentraler Input-Geber in der von der Europäischen Kommission und dem EU-Bildungsprogramm Erasmus+ geförderten ECVAET-Projektreihe. Ralf Stroetmann, Bereichsleiter Bildung & Recht beim VPLT und Ansprechpartner zum Europäischen Meister, erläutert im Interview, die Herausforderungen und weiteren Schritte auf dem Weg zu einer einheitlichen Qualifizierung.

1. Im August 2017 wurden die Ergebnisse des EU-Projekts ECVAET 3 – der Europäische Meister in der Veranstaltungstechnik veröffentlicht. Können Sie diese einmal kurz zusammenfassen?

Ralf Stroetmann: Die Anforderungen sind in den EU-Ländern sehr ähnlich! Das haben wir bei einer groß angelegten Umfrage in der deutschsprachigen Region herausgefunden. Die Basis der meisterlichen Tätigkeit sind praktische und theoretische Kompetenzen, z.B. hinsichtlich der Bühnentechnik, Energieversorgung, Statik, Logistik. Sie müssen aber nicht Spezialisten in diesen Bereichen sein, denn Ihre Aufgaben sind die einer Führungskraft. Das passt auch zur Definition des Meisterniveaus im EQF6 (European Qualification Framework). So ist die Gewährleistung der Sicherheit technischer Einrichtungen und des Arbeits- und Gesundheitsschutzes als besonders relevant zu nennen. Aber auch das Managen von Projekten, unternehmerisches Handeln und ausgeprägte Soft Skills, z.B. Mitarbeiterführung oder Umgang mit den Veranstaltungsbeteiligten, sind als wichtige Aspekte herausgearbeitet worden.

2. Was sind die nächsten Schritte in Bezug darauf, die Meisterausbildung in der Veranstaltungstechnik europaweit zu vereinheitlichen?

Ralf Stroetmann: Das Projekt hat die notwendigen Kompetenzen klar herausfiltern können und sogar ein Mustercurriculum für die Bildungsmaßnahmen erarbeitet. Damit ist der Grundstein für eine Realisierung in Europa gelegt. Es liegt nun an den europäischen Ländern, die Inhalte bei der Überarbeitung oder Schaffung von Meisterfortbildungen zu berücksichtigen. In Deutschland befindet sich die Prüfungsverordnung für die Meister für Veranstaltungstechnik aktuell in der Novellierung und selbstverständlich fließen die Projektergebnisse durch die Position des VPLT in die Beratungen ein. Andere EU-Länder werden erst in Zukunft eine solche Fortbildung schaffen können, da oftmals noch nicht einmal eine geregelte Grundausbildung vorhanden ist.

3. Welche Vorteile ergeben sich daraus für die Branche?

Ralf Stroetmann: Der wesentliche Nutzen liegt in einer verlässlichen und einheitlichen Ausprägung der Kompetenzen, lediglich die länderspezifischen (rechtlichen) Besonderheiten müssen zusätzlich vermittelt werden. Die Basis der Meisterausbildung ist später in allen EU-Ländern gleich und es ist für Arbeitgeber nicht notwendig, diese im Rahmen ihrer Auswahlverantwortung detailliert zu vergleichen. Das ist bei unserer europaweit und international agierenden Branche enorm wichtig, da wir grenzüberschreitend tätig sind. Auch für die Meister selber ist der Vorteil klar zu benennen: Die Möglichkeiten für einen Fachkräfteaustausch zwischen den Ländern werden erhöht und damit auch die Chance auf Anerkennung des Meistertitels in einem anderen Land. Ganz im Sinne der Branche und der Europäischen Union wird somit ein Fachkräfteaustauch deutlich einfacher und formal betrachtet erst dann überhaupt möglich!

4. Wo sehen Sie Möglichkeiten, die Standards für die Meisterausbildung in Europa jetzt schon anzugleichen?

Ralf Stroetmann: Ein Angleich im eigentlichen Sinne kann aufgrund der fehlenden Voraussetzungen in den meisten Ländern aktuell nicht stattfinden. Die jetzigen Bestrebungen müssen also darauf abzielen, diese Länder in der Schaffung einer Basisqualifikation „Fachkraft für Veranstaltungstechnik“ zu unterstützen um danach eine auf unserem EU-Projekt basierende Meisterausbildung zu etablieren. Ich rechne derzeit damit, dass dies Österreich und der Schweiz als Erstes gelingen wird, da dort bereits eine veranstaltungstechnische Ausbildung existiert. Insgesamt also ein Projekt, das wieder einmal die Weichen für die Zukunft stellt.

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