Blick hinter die Linse: Interview mit Marco Justus Schöler

Erst kürzlich haben wir über die Ausstellung "Faces Behind The Voices" berichtet, die derzeit durch Deutschland tourt. Um mehr zur Entstehung der Bilder und den Kreativprozess des besonderen Projektes zu erfahren, haben wir mit dem Fotografen Marco Justus Schöler gesprochen.

Redaktion: Wie sind Sie auf die Idee für die besondere Fotoreihe gekommen?
Marco Schöler: Vor circa 3 Jahren schaute ich mit meiner Lebensgefährtin „Shutter Island“ mit Leonardo DiCaprio. Man muss dazusagen, dass ich den Film davor schon mehrmals gesehen habe und ihn beinahe selber hätte mitsprechen können. Aus diesem Grund war ich etwas durch mein Smartphone abgelenkt. Gegen Ende des Filmes kommt ein langer Monolog von Leonardo. An dieser Stelle hörte ich intensiv die Synchronstimme von Leonardo und bemerkte erstmals, wie markant diese ist. Da ich sowieso mein Smartphone in der Hand hatte, googelte ich sofort „Synchronsprecher Leonardo DiCaprio“. Und dann war ich sehr überrascht: 1. dass ich mir noch nie Gedanken über die Stimmen gemacht habe und 2. dass ich mir die Stimme von Leo komplett anders vorgestellt hatte. Voilà: Somit war das Projekt „Faces Behind The Voices“ geboren, da ich wusste, dass ich nicht der Einzige bin, den das so interessiert.

Redaktion: Was hat Ihnen bei den Fotoshootings am meisten Spaß gemacht?

Marco Schöler: Selbstverständlich die Vielfalt der Stimmen. Wenn man zum Beispiel am Set bemerkt, dass die Stimme von Daniel Craig/James Bond plötzlich auch Adam Sandler ist… Das war bei allen 30 Sprechern sehr abwechslungsreich.

Redaktion: Welche Hindernisse mussten Sie bei der Erstellung der Bilder überwinden?
Marco Schöler: Die Portraits war tatsächlich der einfachste Part der kompletten Ausstellung. Das Schwierigste war anfangs das Vertrauen der Sprecher zu bekommen. Sehr viele Sprecher sind online nahezu unsichtbar und ich musste zu alten Telefonbuch-Methoden zurückgreifen. Sprich, der Fakt, dass viele Sprecher bewusst unbekannt hinter der Kamera agieren, war ein großes Hindernis. Wenn es aber einfacher gewesen wäre, wäre ich nicht der erste Fotograf mit solch einem umfangreichen Projekt gewesen.

Redaktion: Im generellen, worin liegen immer die größten Herausforderungen bei Fotoshootings?
Marco Schöler: Als Portraitfotograf arbeite ich sehr intensiv mit den verschiedensten Personen und Charakteren. Sei es der Geschäftsführer eines großen Konzerns, kreative Musiker, bis hin zu weltbekannten Schauspielern. Ziel eines jeden Portraits ist es, die abgelichtete Person mit nur einem Bild zu beschrieben – sprich dass sich die Person vor der Kamera öffnet und so zeigt wie sie tatsächlich auch ist. Und genau darin besteht (gerade unter Zeitdruck) die größte Schwierigkeit.

Redaktion: Vielen Dank für das interessante Interview!

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